Theologie




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Inhalt:
Erbsünde Theologie
Ganztod-Theologie
... heute
Seele katholisch
Seele protestantisch
Stellungnahmen zu Mystik und Esoterik
Kirche der Zukunft

Lieber Leser,
es ist schwierig, diese Seite richtig einzuordnen, ohne zu wissen, woher die Informationen kommen und wie und warum ich gerade diese ausgewählt habe. Darüber gibt die Startseite und vor allem das Kapitel Offenbarungen Auskunft.

Die protestantische Ganztodtheologie ist i.w. seit Karl Barth die Theologie von Totenruhe, Jüngstem Gericht und Auferstehung, also von Ich und Tod. Sie gründet rein biblisch auf Paulus und der Apokalypse und ist weit entfernt von mystisch-medialen Erfahrungen und Informationen.
Weiterhin zeigt der Text, dass protestantische Theologen immer noch zeitgenössische Mystik ignorieren und garnicht wissen, um was es dabei geht.

Die katholische Kirche hat ein klares Verständnis von Seele (s.u. „Seele katholisch“), und sie hat eine große Tradition von Mystikern in ihren Klöstern. Sie könnte mit diesen Webseiten einverstanden sein, wenn nicht das Lehrprimat Roms jeder Öffnung zu nachbiblischen Offenbarungen strikt entgegen stünde. Der Priester Johannes Greber ist ein gutes Beispiel: Es ist durchaus Tradition der katholischen Kirche, sich mit parapsychologischen Phänomenen intensiv zu beschäftigen, es gibt auch heute noch gelegentlich Geisteraustreibungen. Da aber bei Greber die Lehre betroffen war (Trinität, Sakramente, Präexistenz, Wiedergeburt ua.) und Greber dieses ernst nahm, mußte er sein Priesteramt verlassen. Diese Verhältnisse sind eindeutig und klar geregelt.

Anders ist es bei der pluralistischen protestantischen Kirche. Es ist an dieser Stelle unmöglich, und auch unnötig, auf die Vielzahl theologischer Meinungen einzugehen. Ein extrem säkulares Verständnis von Seele formulieren der amtskirchliche "Evangelische Erwachsenenkatechismus" und ein "Handbuch der protestantischen Theologie": „Seele ist ein tiefes Gefühl ... Eine eigenständige Seele gibt es nicht ... Der Mensch stirbt den ganzen Tod.“ Das ist der Kern der Ganztodtheorie bzw. Ganztodtheologie. Andere Meinungen sind zurückhaltender formuliert, z.B. meint Henning: „Der Tod ist ein Fortleben, das uns jedoch verborgen ist“.

Die Erbsünde der Theologie
Zum Verständnis dieser Theologie muss man sich klar machen, daß die Kirche in den allerersten Jahrhunderten auf mehreren Konzilien das vorliegende Material über Jesus in Gestalt der Evangelien festgeschrieben und sich ab da als Verkünder und Interpreter dieser Evangelien gesehen hat. Zugleich ist sie von prophetischen Offenbarungen, die bis dato die Lebendigkeit des Glaubens bis ins Urchristentum hinein immer wieder neu befruchtet hatten (s. "Bibelzitate"), abgerückt zugunsten spekulativ-intellektueller Theologie, z.B. der Trinitätslehre. Seit damals wehrt sich die Kirche mit allen Mitteln gegen neuere Offenbarungen (s.u. "Stellungnahmen ..." und "Kirche der Zukunft"), weil diese ihre Verkündigungshoheit untergraben. Als weiteren Meilenstein führte um 420 Augustin gegen den Widerstand des irischen Mönchs Pelargius mit der Erbsündenlehre das Priestertum und den Papst als Mittler zwischen dem sündigen Menschen und Gott ein. Damit übernahm endgültig ein professionelles Priestertum mit all seinen menschlichen Schwächen die frühere Funktion der Propheten und der von Geistwesen medial geführten Apostel und Paulus (s. "Bibelzitate"-Heiliger Geist,Paulus). Eine sich solcherart von Gott und seinen heiligen Geistern abkapselnde Eigenwilligkeit ist jedoch die Kernsünde des Abfalls von Gott überhaupt (s. "Sündenfall").

Diese "Erbsünde" der Kirche bekräftigt der protestantische Bischof Huber heute so: „Die Offenbarung Gottes stellen wir uns nicht als ein außerweltliches Ereignis vor, das wie ein Meteor in diese Welt hineinbricht, sondern sie geht in die Wirklichkeit dieser Welt so ein, dass sie sich mit dieser Wirklichkeit verbindet. Das ist der Kerngedanke des christlichen Glaubens.“ Auf Grund dieser nichtssagenden Vorstellung hoffen und glauben die Theologen seit Augustin bis heute, daß ihre Gedanken vom Geist Gottes inspiriert sind. Zu welchen Ergebnissen dies führt, zeigen die folgenden Texte. "Meteorhaft außerweltliche" Offenbarungen gibt es aber nach wie vor, auch wenn der "Kerngedanke christlichen Glaubens" dem laut Huber entgegensteht. Gott läßt sich nicht den Mund verbieten, das zeigt diese Webseite. Und ob nun Gottes Geist und Wille eher durch die im folgenden beispielhaft zitierte "mit der Wirklichkeit dieser Welt verbundene" Theologie oder eher durch die inhaltlich klare und über alle Offenbarungen hinweg eindeutigen und konsistenten Lehren seiner zeitgenössischen Propheten spricht, das zu beurteilen dürfte dem Leser dieser Webseite nicht allzu schwer fallen.

Ein beredter Vertreter einer solcherart "mit der Wirklichkeit dieser Welt verbundenen" Theologie ist Eugen Drewermann. Einen mit kritischen Kommentaren versehenen Text finden Sie unter "Drewermann".

Der Text des folgenden Kapitels ist in teils verkürzender Formulierung und ausschnitthaft dem Aufsatz "Wirklich ganz tot? Gedanken zur Unsterblichkeit der Seele vor dem Hintergrund der Ganztodtheorie" von Privatdozent Dr. Christian Henning, Universität Erlangen, entnommen. Er zeigt das ganze Elend moderner Theologie. [Meine persönlichen Bemerkungen dazu stehen jeweils klein in eckigen Klammern]
Das zweite Kapitel "Stellungnahmen zu Mystik und Esoterik" zeigt, wie unqualifiziert Theologen auf Grund des obigen Dogmas an den eigentlichen Fragen vorbei denken.

Ganztodtheologie - Wirklich ganz tot?
[Text von Henning:] Luther soll auf dem Totenbett dem Vernehmen seiner Freunde nach ein Gebet gesprochen haben, das in das Thema dieses Aufsatzes sehr gut einzuführen vermag. Es lautet: »... O Himlischer vater, ob ich schon diesen leib lassen und aus diesem leben hin weg gerissen werden mus, so weis ich doch gewis, das ich bey dir ewig bleiben und aus deinen henden mich niemands reissen kan.« Diese Glaubensgewißheit ist uns verloren gegangen, unsere Frage heute ist: Wer wird es sein, der vor Gott stehen, ihn schauen und loben wird, wenn er zur leibhaften Auferstehung gerufen wird? Werde ich es sein oder ein anderer? Luther ist der festen Überzeugung: Gott wird seine Seele aufnehmen, nachdem der Leib gestorben ist. Er wird sie bewahren bis zum jüngsten Tage und ihr schließlich einen neuen Leib erschaffen. Vor Gottes Thron gezwungen, wird Luther sich im Endgericht verantworten müssen.

So wird deutlich, welch theologische Funktion der Begriff Seele einnimmt. Er dient dazu, die Kontinuität und Authentizität der menschlichen Identität zwischen der irdischen Existenz, hier und jetzt, und der verheißenen neuen Existenz bei der Auferstehung der Toten zu betonen. Der Begriff Seele bildet das Schaltglied zwischen der Vorstellung von der irdischen Existenz und der erlösten Existenz. Vertreibt man ihn aus der Theologie, schafft das Probleme; Probleme, die im folgenden behandelt werden sollen, bevor im Anschluß daran eine Lösung vorgeschlagen wird.

Anfang dieses Jahrhunderts hat man in der protestantischen Theologie geglaubt, man könne auf die Auffassung der Seele als einer Vorstellung postmortaler Fortexistenz verzichten ... Problematisch ist an Luthers Auffassung ihre Uneinheitlichkeit. Einerseits vertritt er die Vorstellung vom Seelenschlaf, andererseits äußert er die Überzeugung, daß die Seele nach ihrem Tod unmittelbar ihr ewiges Schicksal ereilt ... So stritt man sich um die Frage: Auferstehung der Toten oder Unsterblichkeit der Seele? Als genuin christlich wurde der Gedanke der Auferstehung der Toten befunden, als hellenistischer Talmi die Vorstellung von der Unsterblichkeit der Seele ... Indem man die Vorstellung von der unsterblichen Seele verwarf, schüttete man das Kind mit dem Bade aus ... Damit läuft die ganze Argumentation indirekt auf die Ganztodtheorie im Sinne eines Todes von Leib und Seele hinaus. [Verwirft man eine gut begründbare Vorstellung (s. "Offenarungen") als "hellenistischen Talmi", dann führt der direkte Weg zum theologischen Talmi ...]

Was besagt die Lehre vom Ganztod? Sie behauptet, daß mit dem Tod beide, Leib und Seele, gänzlich zugrundegehen ... Es läßt sich ein Strauß mit fünf Argumenten ausmachen.
Für Althaus folgt die Lehre vom Ganztod bündig aus der Vorstellung der creatio nova. Er vertritt die Meinung, man würde die Rede von der Neuschöpfung nicht ernst nehmen, lehrte man die Auffassung, die menschliche Seele bestünde über den leiblichen Tod hinaus. Die Neuschöpfung würde sich dann nämlich nicht auf die Seele, sondern nur auf den Leib beziehen. In seinem zweiten Argument arbeitet Althaus mit der Vorstellung vom Gerichtstod. Hat man den Tod als Ausdruck des göttlichen Gerichts zu verstehen, in dem sich der allmächtige Gott als Herr über sein Geschöpf erweist, so kann dieser Selbsterweis nur dann als geglückt angesehen werden, wenn Gott sich imstande sieht, dem Menschen sein ganzes altes Leben zu nehmen und ein ganz neues Leben wieder zu schenken. Ein drittes Argument findet sich bei Carl Stange. Seine Argumentation setzt im Gegensatz zu Althaus weniger theozentrisch an. Stange geht von der Auffassung aus, daß sich weder der Körper auf die Seele, noch die Seele auf den Körper reduzieren lassen und beide nur im Verbund miteinander existieren können. Damit ist für ihn ein Fortleben der Seele nach dem Tod des Körpers ausgeschlossen. In einem weiteren Argumentationsschritt geht Stange vom Zustand mangelnder Sittlichkeit des Menschen aus. Stange ist der Auffassung, daß vom ethischen Standpunkt die Vorstellung der unsterblichen Seele nicht gebilligt werden könne: "Sobald wir unser ethisches Urteil in Anspruch nehmen, können wir unserem Ich keine ewige Dauer wünschen." Existiert nämlich die Seele über den Tod hinaus, so bleibt das sündige Subjekt erhalten, eine für Stange unerträgliche Vorstellung. Denn die Selbstsucht, das Grundübel aller Sünde, wird nicht ausgelöscht. [Das ist aber (s. "Sündenfall") genau der Punkt! Die Vorstellung einer Verewigung meiner inneren Empfindungen mag zwar "unerträglich" sein, diese Unerträglichkeit aber als Argument für die Mißbilligigung dieser Vorstellung zu nehmen und der Seele deshalb "keine ewige Dauer zu wünschen", verfestigt nur diese Selbstsucht und ist als theologisches Argument ziemlich dreist.]
Die Auslöschung geschieht nur, wenn das Ich durch ein anderes substituiert wird. Als letztes Argument führt Stange den Gedanken ins Feld, daß die Vorstellung der Unsterblichkeit der Seele der Bedeutung des Jenseits widerstreite. In seinen Augen bedeutet die Fortexistenz der Seele nur eine Prolongation irdischen Lebens [Das ist sie allerdings, wenn wir die Berichte der Verstorbenen betrachten. Stange will es jedoch besser wissen, denn er meint:] Demgegenüber sei das Jenseits aber doch ganz anders zu verstehen. [Wie? Ich bewundere diese Scharfsinnigkeit und Unverfrorenheit, die versucht, mit Hilfe subjektiver Neigungen und fast beliebig begründeter Logik metaphysische Wahrscheinlichkeiten zu konstruieren und angehende Pfarrer darin zu unterrichten. Aber man hat wohl keine andere Wahl, wenn man medial vermittelte Erfahrungen Verstorbener nicht zur Kenntnis nehmen und trotzdem "etwas wissen" möchte.]

Aus dieser Lehre vom Ganztod folgt die Frage: Wie läßt sich unter diesen Bedingungen die Identität des irdischen mit dem neuen Menschen aussagen? Gerade im Hinblick auf die Vorstellung vom Endgericht ist die Beantwortung dieser Frage von außerordentlicher Bedeutung. Denn sie macht nur dann Sinn, wenn es derselbe ist, der sündigte und sich vor Gott zu verantworten hat. Die Vertreter der Lehre von der unsterblichen Seele tun sich hier leicht. Sie knüpfen die Individualität und Identität an die den Tod überdauernde Seele. [Die mystisch-medialen Offenbarungen sagen uni sono: Es ist tatsächlich so leicht.]
Stange denkt sich die Erneuerung des Menschen in Anlehnung an Luther so, daß Gott die Relation zum Menschen auch über seinen Tod hinaus aufrechterhält und ihn aus dieser Relation heraus neu kreiert. Da Gott ewig ist und ein Verhältnis zum endlichen Menschen eingegangen ist, muß auch dies persönliche Verhältnis eine ewige Bedeutung haben. Das heißt, Gott hält die Relation zum Menschen auch dann aufrecht, wenn das Relat, der Mensch, durch seinen Tod hinwegfällt. Ähnlich argumentiert Althaus: »Der Tod ist die Grenze dessen, was wir als Leben kennen; aber er ist nicht die Grenze unseres Gottesverhältnisses, sondern ein Moment desselben. Wir wissen nichts von einer Unsterblichkeit der »Seele«, aber von der Unsterblichkeit unseres Gottesverhältnisses.« An die Funktionsstelle der Seele tritt hier also der Gedanke der Unaufhebbarkeit des personhaften Gottesverhältnisses«; der auch von Karl Barth vertreten wird und weitere zahlreiche Verfechter gefunden hat. Zu nennen sind Helmut Thielicke, Gerhard Ebeling, Jörg Baur, Wilfried Joest. Ja, sogar Josef Kardinal Ratzinger vertritt den Gedanken der dialogischen Unsterblichkeit. [Große Namen in Ehren, aber was bedeutet ein Verhältnis Gottes mit etwas, das es nicht gibt? Dies fragt sich auch Henning:]

Man fragt sich nun allerdings, wie denn eine Beziehung zu Gott bestehen kann, ohne Beziehungsträger auf menschlicher Seite. Eine Lösung könnte darin bestehen, daß Gott sich an der Stelle des anderen gleichsam selbst expliziert. Das würde bedeuten: Der gestorbene Mensch geht in die Selbstbeziehung Gottes ein, wie Althaus das vorschlägt. Der neue Mensch wird gleichsam zu einem Moment Gottes. Doch ist ein solcher Gedanke zufriedenstellend? Es drängt sich die Frage auf: Was ist der Mensch, wenn er einmal tot ist? Was ist der Mensch, wenn er seine Relation zu Gott nicht mehr aufrechterhalten kann, sondern Gott an seine Stelle tritt? Was ist der Mensch, wenn er als Toter in Gottes Hand sinkt? Eine deutliche Antwort findet man nicht bei den Protagonisten der Ganztodtheotie. Fündig wird man erst bei anderen, die die Ganztodtheorie übernommen und weiterentwickelt haben.

Pannenberg äußert in seinem Buch über den Tod die Ansicht, daß der einzelne Mensch in der Vergegenwärtigung Gottes präsent bleibe. Was damit gemeint ist, zeigt Pannenberg: die Lösung des Identitätsprobles durch Rekurs auf die Vorstellung vom Gdächtnis Gottes. »Ihm bleibt alles gegenwärtig, was einmal war, und zwar bleibt es als Gewesenes im Ganzen seines Daseins gegenwärtig.« Damit findet die vorhin aufgeworfene Frage eine erste Antwort. Der einzelne wird in Gott aufgehoben im Akt der Verewigung seines irdischen Seins im Gedächtnis Gottes.
Doch bin es wirklich ich, ich selbst? Überlebe ich als Person mit meiner Binnenperspektive auf mich selbst in Gott, d.h. in einer Perspektive, die meine Vergangenheit und Gegenwart in ihren vielfältigen Bezügen auf Gott, Welt und mich selbst einschließt? ... Für Barth bedeutet Verewigung des Menschen nur, daß Gott, der Schöpfer und Herr der Zeit, an dem Menschen in seiner ihm zugemessenen Zeit ein ewiges und treues Interesse nimmt. Dieses Interesse besteht darin, eben dieses Menschen »in seiner Gnade und Barmherzigkeit und also unauslöschlich zu gedenken.« Die Auferstehung der Toten und das ewige Leben löst Barth folglich als Modus von Erinnerung im Gedächtnis Gottes auf. Damit wird jedoch die menschliche Existenz eschatologisch nivelliert. Nach Pannenbergs Überlegungen hat man sich die Auferstehung vielmehr so vorzustellen, daß Gott am Ende aller Zeiten gleichzeitig allen in Christus Entschlafenen durch seinen Geist »das Fürsichsein der in Gott bewahrten Ganzheit ihres Daseins« wiedergeben wird. Man soll sich also vorstellen, man sei nach dem Tode zu einem Moment des ewigen Gedächtnisses Gottes geworden, und aus diesem Gedächtnis werde Gott einen am Ende aller Zeiten neu erschaffen. Man werde nicht nur einen neuen Leib und eine neue Seele bekommen, sondern auch die Binnenperspektive auf sich selbst, auf die Umwelt und auf Gott.

Doch um welches Fürsichsein handelt es sich eigentlich? Das menschliche Fürsichsein ist mit dem Tod von Leib und Seele doch gänzlich erloschen. Folglich kann es sich bei dem von Pannenberg gemeinten Fürsichsein allenfalls um ein Fürsichsein ohne eine für den einzelnen erlebbare Kontinuität handeln. Identität soll also ohne Kontinuität denkbar sein! Das halte ich für unmöglich. Ich bezweifle, daß ein perfekt dupliziertes Fürsichsein tatsächlich das im Tode des Sünders zugrundegegangene Fürsichsein sein kann. Die Perfektion des Doppelgängers kann nicht einen Ersatz für die Authentizität des Urbildes darstellen. Pannenberg weiß um dieses Problem und behauptet: »Die Identität der Geschöpfe bedarf dabei keiner Kontinuität ihres Seins auf der Zeitlinie, sondern ist hinlänglich dadurch gesichert, daß ihr Dasein in der ewigen Gegenwart Gottes nicht verloren ist“. Dies allerdings beinhaltet keine Begründung und kann nicht befriedigen.

Damit komme ich zur Kritik an der Ganztodvorstellung.
Ich frage: Was soll das für ein Individuum sein, das dabei herauskommt? Bei Theodor Mahlmann findet man die Antwort: »Identität ohne Kontinuität, jene gesichert nur durch Gottes Neuschöpfung und vor allem, diese nur gesichert durch Gottes Gedächtnis: das ist ein im wörtlichen Sinne uneigentiches Individuum, eine leere Metapher.« Damit stößt die Lehre vom Ganztod auf ihre Grenzen. Unter ihrer Perspektive gelingt es nicht, die Leiblichkeit des Menschen in Gott so aufzuheben, daß dessen Identität und Authentizität gewahrt bliebe. Was das soteriologisch bedeutet, kann man sich leicht ausmalen. Ein Mensch, der nach solchen Vorgaben in das Himmelreich eingeht, kann sich nicht als ein Mensch, der erlöst ist, wissen, da ihm die Kontinuität und Authentizität seines erlösten Daseins mit seinem ehemaligen irdischen sündigen Leben abgeht. Soll davon die Rede sein, müßten die Ganztodtheoretiker den Menschen als Gegenüber in Gott denken können und damit genau das leisten, was die Vertreter der Lehre von der Unsterblichkeit der Seele ohne weiteres bewerkstelligen konnten.

Doch nicht nur aus anthropologischen Überlegungen heraus ist die Lehre vom Ganztod unbefriedigend. Es lassen sich auch strikt theologische Gründe dagegen anführen. Die Unsinnigkeit, daß Gott einen Doppelgänger erschafft, hebt Theodor Mahlmann mit der Frage hervor: »Und ist es nicht im Blick auf Gottes Allmacht nahezu absurd, Gottes Verhältnis zum Tode seiner Geschöpfe so zu bestimmen, daß er sie alle, und identisch, zweimal erschaffen muß?“ Man kann diesem Einwand einen weiteren hinzugesellen, den Wilfried Härle und Eilert Herms formuliert haben. Widerspricht es nicht Gottes Treue zur Schöpfung, seine Geschöpfe der völligen Vernichtung preiszugeben, um sie dann ein zweites Mal aus dem Nichts zu erschaffen? Gott desavouiert doch nicht sein erstes Werk, um dann im zweiten völlig neu zu beginnen.

Ein dritter Grund läßt sich anfügen. Meines Erachtens ist die Auffassung vom Ganztod mit dem Herzstück protestantischer Lehre, der Lehre von der Rechtfertigung, unvereinbar. Als forensischer Akt kommt die Rechtfertigung zwar uns Menschen als unverdienter Freispruch Gottes zu und ist darum kein Besitz, der uns zu Gebote stünde. Aber die Rechtfertigungsbotschaft wäre doch völlig mißverstanden, wenn die Rechtfertigung nicht zugleich auch als wirksam und tatsächlich zugeeignet vorgestellt würde. Spricht Gott gerecht, dann ist es auch der Mensch. Man müßte ja sonst an Gottes Wort zweifeln. Wie Gott sprach: es werde Licht, und wir es sehen können, so dürfen wir auch glauben, daß wir gerecht sind, wenn Gott es uns zusagt. Sind wir aber gerecht, dann sind wir auch gerettet. Wir dürfen wissen, daß wir als tatsächlich existierende Wesen nicht im Tod bleiben, sondern aus ihm gerettet werden. Darum ist der Tod eben nicht wie der frühe Althaus meint »ein Sinken ins Bodenlose, ein Ausgang ins Nichts«, sondern ein Fortleben, das uns jedoch verborgen ist. Schließlich und letztlich dürfte auch die exegetische Begründung der Ganztodtheorie nicht ganz unerschütterlich sein. Ein paar wirklich nur schlaglichtartige Überlegungen sollen das veranschaulichen.

Es gibt es auch unter den Exegeten eine starke Fraktion, die der Ganztodtheorie anhängen. Zu ihren Widersachern zählen Otto Kaisers und Ernst Haags. Sie machen in der spätisrealitischen Literatur einzelne wenige Spuren aus, die auf den Gedanken einer postmortalen Fortexistenz zu weisen scheinen. Zu nennen sind Ps. 49.16 wo vom Loskauf des Beters aus der Unterwelt und seiner Entrückung zu Jahwe die Rede ist; des weiteren Ps 73, 23 f, wo der Beter seiner Zuversicht Ausdruck verleiht, Jahwe werde ihn davor bewahren, vom Tod verschlungen zu werden; sowie Dan. 12,1—3. Man muß auch auf die Vorstellung von der Scheol hinweisen. Die Vorstellung von der Scheol läßt deutlich auf einen Glauben an eine Fortexistenz nach dem Töde schließen. Nur wenn man sie zugrundelegt, erklärt sich auch die biblische Notiz, man habe das Weinen der Urmutter Rahel angesichts des Untergangs des Nordreiches in Rama (Jer 31,15 mit Gen 35,16.19) gehört. Desselbe gilt für die Geschichte von der Heraufbeschwörung des toten Samuels durch die Hexe von Endor (1. Sam 28). Der Tod stürzt demnach nicht in ein völliges Nichts, sondern reduziert das Leben des Menschen auf die, wie Kaiser schreibt, »schwächste Form des Lebens«. Die im späten Israel entwickelte Vorstellung, daß der Mensch in schattenhafter Gestalt über den Tod hinaus fortlebt, wird im Neuen Testament mancherorts aufgriffen. Ohne diese Vorstellung hätte nach den Worten Kaisers »weder das neutestamentliche Gleichnis vom reichen Mann und armen Lazarus, Lk 16,19 ff., noch das Jesus im gleichen Evangelium am Kreuz in den Mund gelegte Wort an den einen der beiden Schächer: »Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradiese sei, Lk 23,43, noch das Auferstehungszeugnis des Neuen Testaments selbst einen verständlichen Rahmen.“ Zu nennen ist des weiteren die Praxis der Totentaufe in 1.Kor 75,29; die paulinische Vorstellung in 1.Kor 15,51 und 2. Kor 5,1-10 sowie Offb 6,9, wo von den Totenseelen der Märtyrer die Rede ist. Erwähnt werden muß schließlich auch Mt 10,28- mit der Warnung: »Und fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib (soma) töten, doch die Seele (psyche) nicht töten können; fürchtet euch aber viel mehr vor dem, der Leib und Seele (psychen kai soma) verderben kann in der Hölle.“ Damit ist von einem Leben des Menschen die Rede, das ihm andere Menschen nicht nehmen können, auch wenn sie ihn töten. Dieses den Tod überdauernde Leben kann nur Gott beseitigen.

Resümierend läßt sich sagen, daß die biblischen Zeugnisse der Annahme einer Kontinuität der menschlichen Existenz über ihren Tod hinaus zumindest nicht zu widersprechen scheinen; und nur darum geht es im Moment. Im folgenden soll das Ergebnis der vorgetragenen Ausführungen zusamnengefaßt werden ... Die Ganztodtheorie steckt voller Aporien. Zudem ist ihre biblische Begründung zweifelhaft. Man muß sie aufgeben. Doch wie soll es weitergehen?

Ausblick
Ein Fortkommen wird es nur geben, wenn man sich klarmacht, was Desiderat bleibt. Zum einen: Der Gedanke der Auferstehung der Toten muß so gefaßt werden, daß er ein Kontinuitätsmoment zwischen dem alten Adam und dem auferstehenden neuen Menschen einschließt. Er muß zum anderen so angelegt werden, daß die Individualität gewahrt bleibt und das vergangene Leben erinnert werden kann. Denn nur wenn die Möglichkeit zu diesem Differenzbewußtsein berücksichtigt wird, macht es Sinn, vom Gericht Gottes zu sprechen, vor dem sich der einzelne zu verantworten hat. Und nur unter Voraussetzung eines solchen Differenzbewußtseins kann der einzelne überhaupt wissen, daß er in der Parusie ist. Daher muß man bei der Lehre von der Auferstehung der Toten von zweierlei ausgehen: Sowohl von der fortwährenden Kontinuität des Ichs auf der Zeitschiene als auch von einer fortbestehenden Subjektivität, die über ihre Konstanz im göttlichen Wissen auch für sich weiterbesteht. Diese Desiderate machen es zum einen erforderlich, den Gedanken der Neuschöpfung als Modus von Verwandlung aufzufassen. Sie machen es zum anderen notwendig, die zu Anfang dieses Jahrhunderts verabschiedete Seelenlehre in funktionaler Hinsicht zur restituieren.

Katholische Haltung
Das Schreiben der Kongregation für die Glaubenslehre zu einigen wichtigen Fragen der Eschatologie vom 17. Mai 1979 zeigt die katholische Haltung in dieser Frage: "Die Kirche hält an der Fortdauer eines geistigen Elements nach dem Tode fest, das mit Bewußtsein und Willen ausgestattet ist, so daß das Ich des Menschen weiterbesteht, wobei es freilich in der Zwischenzeit seiner vollen Körperlichkeit entbehrt. Um dieses Element zu bezeichnen, verwendet die Kirche den Ausdruck »Seele«, der durch den Gebrauch in der Heiligen Schrift und Tradition sich fest eingebürgert hat. Obwohl sie nicht übersieht, daß dieser Ausdruck in der Heiligen Schrift verschiedene Bedeutungen hat, ist sie doch der Auffassung, daß es keinen stichhaltigen Grund gibt, ihn abzulehnen, zumal ja irgendein sprachlicher Ausdruck zur Stütze des Glaubens der Christen einfach notwendig ist." Zu fragen wird sein, wie eine protestantische Antwort aussehen kann. [Zu fragen wäre eher, warum "eine protestantische Antwort" überhaupt nötig ist. Wäre es im Blick auf die eine ökumenische Kirche und im Blick auf den gemeinsamen Gegner Scientismus nicht besser zu fragen, welche Gründe und Motive die katholische Haltung hat und ob man die nicht übernehmen könnte? Aber Henning wischt diese Haltung beiseite. Nur weil sie katholisch ist? Dabei ist es doch die Haltung auch von Luther (siehe oben). Hier zeigt sich wieder die auch oben schon von Stange geliebte Selbständigkeit, die Ursünde theologischen Denkens.]

Protestantische Haltung
Denkt man darüber nach, wie man unter heutigen Bedingungen die mit der Seelenvorstellung bezeichnete Vorstellung der Kontinuität, Authentizität und Subjektivität der postmortalen Existenz mit der prämortalen ausdrücken kann, so wird man von zwei Gedanken auszugehen haben. Zum, einem vom trinitarischen Gottesgedanken, zum anderen von einem psychophysischen Parallelismus, der aber noch näher zu umschreiben sein wird. Bei den folgenden trinitarischen Überlegungen gehe ich aus vom Zeugnis des Heiligen Geistes nach Röm 8,16.62 Ich verstehe das Zeugnis des Heiligen Geistes als einen Akt, in dem sich der dreieinige Gott im Bewußtsein des Gläubigen selbst auslegt und sich entsprechend als Heiliger Geist, als Sohn und als Vater darstellt. Indem sich der Heilige Geist dabei auch als Geist des Vaters kenntlich macht, expliziert er sich zugleich als Geist der Schöpfung. Damit stellt er sich als derjenige vor, der nicht nur die mit dem inneren Dialog eröffnete Verbindung von Gott und Mensch hergestellt hat, sondern der Heilige Geist stellt sich auch als derjenige vor, der mit der Schöpfung die grundlegenden Bedingungen dafür geschaffen hat, daß das Gottesverhältnis des einzelnen überhaupt zustandekommen kann.

Aus dem Dialog mit dem Heiligen Geist vermag der Mensch daher zu erkennen, daß sein Leben Gabe Gottes ist. Es ist vom Schöpfergeist geschaffen und wird von ihm erhalten. Diese Gabe ist identisch mit dem individuellen Leben in seiner leibseelischen Ganzheit. Die Selbstdistanz, die der einzelne in seinem Bewußtsein dazu aufbauen kann, ändert daran grundsätzlich nichts.[Das sehen die Selbsterfahrungen der Erwachten und die mystisch-medialen Offenbarungen anders: Gerade diese Selbstdistanz ermöglicht die konkrete Erfahrung meiner Seele, d.h. meiner innewohnenden Göttlichkeit. Deshalb ist der folgende Satz Hennings auch aus dieser Sicht richtig:] Sie ermöglicht es ihm aber, diese Gabe als Gabe zu wissen und sich im Dialog mit dem Heiligen Geist als Geschöpf Gottes zu erkennen.

Es erhebt sich die Frage, was mit diesem verdankten Leben im Tod geschieht. Die Heilige Schrift gibt darauf die Auskunft, daß alles Leben zu seinem Schöpfer zurückkehrt. Zu fragen ist, in welcher Gestalt dieses Leben zu Gott zurückkehrt. Geht man davon aus, daß der dreieinige Gott als Schöpfergeist den Menschen mit Leben begabt und als Heiliger Geist mit dem Glauben und der Hoffnung auf ein ewiges Leben beschenkt, so liegt die Annahme nahe, daß dieses Lebens als eine besondere Gestalt zu Gott zurückkehrt. Es kehrt, so möchte ich sagen, als individuelle Lebensgestalt zurück, die der einzelne unter der Gnade des Heiligen Geistes und unter der Macht der Sünde geformt hat. Damit ist gesagt: Der Tod kann den Menschen als Person vor Gott nicht vernichten. Der Mensch als Relat in der Beziehung zu Gott bleibt durch den Tod hindurch erhalten, nicht aus eigener Kraft, sondern weil ihm von Gott ein Leben geschenkt worden ist, das die Bestimmung hat, in die Ewigkeit einzugehen. [Das kann man auch aus mystisch-medialer Sicht unterschreiben. Allerdings ist es bis zum Eingang in die Ewigkeit, d.h. in das Reich Gottes, noch ein langer Weg.]

Will man vor diesem Hintergrund den Begriff der Seele aufgreifen und funktional füllen, so wird man sagen müssen: Seele meint das individuelle Leben in seiner Ganzheit, das aufgrund der göttlichen Schöpfung zur Beziehung zu Gott bestimmt ist. Oder anders formuliert: Das, woran Gott in seiner Beziehung zum Menschen einen durch ihn selbst gesetzten Anhalt findet, das soll Seele heißen. Seele ist nur ein anderer Ausdruck für die dem Menschen von Gott geschenkte Beziehungsfähigkeit für Gott. Seele so verstanden ist daher nicht unsterblich zu nennen, denn mit ihr ist kein Anrecht auf das ewige Leben vorhanden, sondern sie ist - mit Blick auf den Tod - als unzerstörbar zu bezeichnen. [s.o.]

Im Gegensatz zu anderen Religionen kann der Christ aufgrund der Auferstehung Christi die berechtigte Hoffnung haben, daß sein Sterben keine Beendigung seines Lebens bedeutet, sondern die Heimkehr zu Gott [Hat nicht der Muslim diese Hoffnung ebenfalls, nur aus anderem Grund? Für den Esoteriker ist dies keine Hoffnung, sondern auf mediale Offenbarungen gegründete Gewißheit.]. Daher ist es, um Carl Stange zu zitieren, »von entscheidender Bedeutung..., ob wir in der Zeit unseres irdischen Lebens „mit Gott in Berührung gekommen sind oder nicht, - davon hängt die Hoffnung auf die Anteilnahme am ewigen Leben ab.« [Dies gilt auch aus mystisch-medialer Sicht, allerdings in einem anderen Licht: Das Weiterleben nach dem Tod ist Gewißheit, keine Hoffnung, es hat mit einem frommen Leben nichts zu tun; und die Anteilnahme am "ewigen Leben", d.h. das spätere Eingehen in das "Reich Gottes", ist wegen der Erlösungstat Christi sozusagen eine Folge dessen, wenn es mir gelingt, mit Gott in echte Berührung zu kommen, d.h. den Sündenfall der Abkehr von Gott wieder rückgängig zu machen.]

Das Postulat von Identität und Authentizität des Menschen verlangt nicht nur die Gewähr psychischer, sondern auch leiblicher Kontinuität [Nein! Die Theologie kennt nicht das Problem der Identifikation der Seele mit dem Leib. Sündhaft ist immer die Seele, das Bewußtsein, nie der biologische Leib mit Hirn und Ego. Leib, Hirn und Ego unterliegen biologischen Zwängen wie jedes andere Tier. Nur die Selbstdistanz des innewohnenden Bewußtseins ermöglicht es, zusammen mit einem entsprechend erzogenen Geist, diesen Zwängen nachzugeben oder sie zu kontrollieren.]. Das zeigt uns nicht nur die moderne Anthropologie, insbesondere die Diskussion zum brain-mind-Problem, die mit den Namen Popper, Eccles, [nach Popper und Eccles gibt es keine leibliche Kontinuität] Robinson, Roth, Edelman, Crick, Churchland, Searle u.a. verbunden ist [Roth und Crick lehnen aus ideologischen Gründen jegliche religiöse Seelenvorstellung ab]. Das bezeugt uns auch die Heilige Schrift mit dem Gedanken der Auferstehung der Toten wie sie beispielhaft in den Erzählungen vom leibhaft Auferstandenen zum Ausdruck kommt. Wie aber ist diese leibseelische Kontinuität zu denken? [besser garnicht, denn es gibt gemäß mystisch-medialer Offenbrungen nur eine seelische Kontinuität; der Körper stirbt den ganz normalen tierischen Tod.]

Sie ist sicherlich nicht so zu denken, daß man die Theorie vom Seelenschlaf vertritt, in dem die anima separata als apersonale, kommunikationslose und weltlose Monade gleichsam überwintert, um bei der Auferstehung der Toten mit einem verklärten Leib vereinigt zu werden ... Nur wenn Leib und Seele im Tod verwandelt werden, ist gewährleistet, daß die gesamte menschliche Existenz in Gott aufgehoben wird. Von daher gewinnt der Gedanke Gisben Greshakes von einer Auferstung im Tode seine Plausibilität. Greshake ist der Ansicht, daß mit dem Tod die leibseelische Veränderung zu ihrem Abschluß kommt, die mit dem Wirken des Geistes als Schöpfergeist und Heiliger Geist angehoben hat. Der Mensch wird dann zu einem solchen Wesen verwandelt, das seinen Selbst-, Welt- und Gottesbezug in vollständiger Weise realisieren und auf diese Weise Erlösung und Vollendung finden kann. Greshakes Ansicht einer Auferstehung im Tode ist allerdings zu modifizieren. Aufgrund der sozialen Verwiesenheit der Menschen auf andere Menschen muß man sich die Auferstehung als Auferstehung aller vorstellen. Die individuelle Auferstehung im Tode ist also als gleichbedeutend mit der Teilnahme an der Auferstehung aller zu interpretieren. Damit wird auf eine Lehre vom Zwischenzustand verzichtet. Dieser Verzicht läßt sich begründen, wenn man von einem Zeitbegriff ausgeht, der komplexer verfaßt ist als der geläufige lineare.

Für Gott als Schöpfer von Zeit wie als heilsgeschichtlicher Akteur in dieser Zeit ist Zeit im Sinne von Ewigkeit als Identität von unendlich ausgedehnter Zeit und zur Zeitlosigkeit komprimierter Zeit im Sinne des ewigen Augenblicks zu denken. Geht man so von Gott als schöpferischem Zentrum der Zeit aus, dann hat man es aus seiner Sicht mit einer Gleichzeitigkeit aller Tode und eo ipso dann mit einer Gleichzeitigkeit der Auferstehung aller Toten zu tun, auch wenn diese Tode und das Ende der Welt in unserer geschöpflichen Zeitperspektive nacheinander geschehen. Jeder Tod in unserer Zeit bedeutet dann zugleich Teilnahme am alle betreffenden Endgericht und die universale leibhafte Auferstehung aller fällt mit der Auferstehung Christi zusammen, auch wenn es uns auf unserer Zeitschiene anders erscheint. Das gilt konsequent auch für das Ende der Welt. Dann ist das Ende unserer Geschichte für Gott präsent, auch wenn es uns noch nicht so zu sein scheint und das Ende der Welt noch aussteht. Damit ist die Offenheit der Geschichte aus unserer Perspektive ebenso gewahrt wie die Vollendung der Geschichte in Gott.

[Dies ist das Ende des Textes von Henning - und wenigstens ein in sich stimmiger und mutiger Gedanke.
Angesichts heutiger Offenbarungen jedoch ist er viel zu sehr vereinfacht und zeitrafferisch. Das Zusammenfallen von unendlich ausgedehnter linearer Zeit im Irdischen mit zur Zeitlosigkeit komprimierter Ewigkeit nach dem Tod ist philosophische Spekulation. Henning biegt sich die Ewigkeit so zurecht, daß dadurch die unhaltbare Ganztodtheologie von Widersprüchen befreit wird.
Aus mystisch-medialer Sicht erscheint "Ewigkeit" wie lineare Zeit ohne verbindliche Rhythmen, also ohne zeitsetzende, objektive Geburt-Tod-, Tag-Nacht- und Jahresrhythmen. Die Konzentration auf den Augenblick ist eine subjektive Leistung, keine objektive Gegebenheit. Denn auch im Jenseits gibt es Entwicklung (s. "Sündenfall"), und so heißt es immer wieder sinngemäß: Es ist Zeit vergangen, aber man kann nicht sagen, wie viel. Es gibt gewiß im Jenseits auch physikalische Zeit, denn es gibt Prozesse mit Geschwindigkeit. Für eine verbindliche Atomuhr dürfte es allerdings keinen Bedarf geben. Entspechend gibt es psychologische Zeit, allerdings wesentlich subjektiv qualitativ und nicht, wie bei uns, objektiv quantitativ in meßbare Rhythmen übersetzbar. Inwiefern diese Zeit mit unserer synchronisierbar ist, bleibt noch zu fragen im Hinblick auf das Phänomen der Prophetie.

Erstaunlich ist, daß es trotz solcher intellektueller Kapriolen und ihrer fragwürdigen Begründungen auch unter protestantischen Theologen noch Frömmigkeit gibt. Dieses unterschwellige "credo quia absurdum" kann ich nur so deuten, daß die präexistente, eigenständige, kontinuierlich unsterbliche und ewige Seele genau weiß, was ihre Natur ist, woher sie kommt und wohin sie zu gehen hat. Gott, der Schöpfer unseres Seelen-Ich-Bewußtseins, ruft uns auch im Stillen. Er mag unsere intellektuellen Bemühungen belächeln. Uns jedoch behindern sie, wenn sie falsch sind. Und da hört das Lächeln auf. Wie kann ein materieller Tierleib mit dem geistigen Gott "in Berührung kommen"? (s.o. Carl Stange) Und was sollte das nützen, wenn der Tierleib tot und verwest ist? Spricht nicht jegliche Logik und Vernunft dafür, daß der Partner für diese angestrebte "Berührung" meine dem Tierleib innewohnende eigenständige Geistnatur als Seele mit Ich-Bewußtsein ist? So wie es die katholische Glaubenskongregation 1979 beschreibt (s.o. "katholische Haltung")? Und so wie es alle mystisch-medialen Offenbarungen beschreiben? Die "selbstgebastelten" Seelenvorstellungen des Protestantismus halte ich für noch viel schlimmer und tiefgehender als die Divergenzen im Abendmahl. „Gott ist Geist“, sagt Johannes, „und die ihn anbeten, müssen ihn im Geist anbeten.“ Und eben gerade nicht im Tierleib, der seine eigenen biologischen Wege geht.]


Stellungnahmen zu Esoterik und Mystik

Weitere Beispiele für die höchst mangelhafte Auseinandersetzung der protestantischen Kirche mit dem Thema "Esoterik und Mystik" zeigt das Heft 165, 2002, der EZW (Ev. Zentralstelle für Weltanschauungsfragen). Es sind fünf Referate, die auf einer Tagung zu diesem Thema im Jahr 2000 gehalten wurden.
Es lohnt sich nicht, auf die einzelnen Gedanken dieser Aufsätze einzugehen, denn alle Aufsätze ignorieren sowohl die Inhalte wie die Vielseitigkeit nachbiblischer Mystik und Wortoffenbarungen. Die meisten Texte beschränken sich auf eine Grundhaltung des Besserwissens und der Überlegenheit, weiterführende Gedanken sind (Ausnahme: 3. Huber) nicht zu erkennen.

1. R. Hempelmann: "Vagabundierende Religiösität".
Hempelmann schreibt über Patchwork-Religion, Religions-Tourismus, Neuoffenbarung, Synkretismus, Wellness-Religion, Selbsterlösung, selbstgebastelte Religion ... lauter abwertend gemeinte Begriffe. Hempelmann reflektiert nicht, daß und wie auch die christlichen Religionen selbstgebastelt sind (siehe oben), ebenfalls Wellness (d.h. Trost) vermitteln und in ihrer Vielfalt ein buntes Patchwork darstellen. Er nimmt 'das christliche Zeugnis' allein für die Kirchen in Anspruch und ignoriert, daß Christus selbst(!) heute auch und gerade außerhalb der Kirchen aktiv ist und von sich 'Zeugnis' gibt (s. "Christuserlebnisse" und "Christus"). Auch die Frage, warum die wissenschaftlich zweifelhaften biblischen Altoffenbarungen besser als Neuoffenbarungen sein sollen, bleibt offen.

2. H. Rosenau: "Das Verhältnis von Esoterik und Mystik"
Rosenau bezieht sich wesentlich auf den Bildmystiker Meister Eckart. Er empfindet Eckarts Mystik als 'befremdliche Theologie'. Das ist verständlich, denn Eckart ist ein intuitiv Wissender mit Bildoffenbarungen. Seine Predigten und Traktate enthalten entsprechend sehr viel Subjektives. Damit geht es Rosenau mit Eckart ähnlich wie Kant mit Swedenborg. Warum ignoriert dann Rosenau die heutige Wortmystik? Dann begeht Rosenau den (bei Theologen häufigen) Fehler, Eckarts Erleben (das unmittelbare Einssein von Gott und Seele) als 'Eckarts Auffassung' zu relativieren und es 'Luthers Auffassung' (es gibt kein solches unmittelbares Einssein der Seele mit Gott) gegenüberzustellen. Aber Eckart spricht von einer höheren Warte aus, er möchte seine Zuhörer zu seinem Erleben des Reiches Gottes hinführen. Luther kann nur (wie jeder Theologe) auf Grund der Bibel intellektuelle Erlösungshoffnung vermitteln, Eckart jedoch (wie jeder Guru oder Meister) auf Grund seiner Erfahrung die Erlösung selbst!

Warum nur berufen sich Theologen immer wieder auf ihresgleichen statt auf diejenigen, die aus eigenem Erleben wirklich etwas zu sagen haben? Warum ignoriert Rosenau die heutige Mystik, und vor allem die Wortoffenbarungen und ihre klaren Inhalte? Kennt er sie nicht, oder sind ihm diese Eisen zu heiß?

Esoterik ist für Rosenau eine Ansammlung gnostischer Lehren wie Wiedergeburt, Engel, Einheit allen Seins, Fehlen der Gnade Gottes uam. Diese Lehren sind aber keine Fantasie, sondern sie fußen jeweils auf speziellen Erfahrungen wie Nahtod, Geistheilung, Medialität uam. Auf diese Erfahrungen geht Rosenau jedoch nicht ein, er bleibt lieber in wohlwollender Distanz. Welchen Sinn haben solche Texte?

3. F. Huber: "Christliche Rezeption spiritueller Praktiken anderer Religionen"
Ein ausgezeichneter Aufsatz über Meditation und Yoga in christlicher Umgebung und ein schönes Beispiel für gelungenen Synkretismus.

4. H. Waldenfels: "Mystik in Christentum und Buddhismus"
H. Waldenfels zitiert Joh 14,6,9, Joh 10,30 und Gal 2,20 und meint dazu, daß „diese Sätze zwar auf den ersten Blick recht positiver Art zu sein scheinen, jedoch keine wesentliche Aussage bieten über das, was sich in der Erfahrung ereignet.“ Dies jedoch würde deutlich bei Böhme, Swedenborg, Lorber uvam., also in den so ungeliebten und abgelehnten Neuoffenbarungen. Da auch Waldenfels diese ignoriert, kann er die inhaltlichen Unterschiede christlicher Mystik zum östlichen Erwachen nicht genügend darstellen. Würde er dies tun, hätte er allerdings erhebliche theologische Probleme (s. oben). Die Visionen mittelalterlicher Mystiker hatten noch nicht die klaren theologischen Inhalte späterer Mystiker. Das mag eine göttliche Gnade gewesen sein, denn sie hätten sonst nicht lange überlebt. Sie mögen aber auch noch zu stark in katholischen Vorstellungen befangen gewesen sein. Auch mystische Erfahrungen und ihre Interpretation werden stark von Tradition und Zeitgeist gelenkt und beengt, dies zeigen die so unterschiedlichen Berichte des Zen-Buddhismus, der Erwachten nach Ramana Maharshi (s. "Erwachte"), der mittelalterlichen unio mystica und der neuzeitlichen Bild- und Wortoffenbarungen (s. "Schöpfung" usw.). Leider fehlt Waldenfels dieser Überblick, er ist schlicht ungebildet.

5. H. Schröer: "Mystik und Nachfolge"
Nach einer langen und für nicht-Theologen völlig nichtssagenden Einleitung, in der Schröer seine immense literarische Bildung vorführt, definiert Schröer Mystik als "mit dem Glauben ermöglichte Partizipation mit Gottes Verheißung, präsentische Eschatologie". Auch: "Mystik ist das ästhetische und Nachfolge das ethische Kriterium der Spiritualität". Das mag sogar richtig sein, ist jedoch nur leeres Wortgeklingel angesichts der bewegenden Realität mystischer Erfahrungen. Auf diese Weise besteht der gesamte Aufsatz aus intellektuellen Sprechblasen und formaler Schaumschlägerei ohne jeden berührenden und weiterführenden Inhalt.

Protestantische Mystiker und die Zukunft

Eine reine Zukunft ohne bereinigte Vergangenheit ist nicht realistisch. Auch die protestantische Kirche hat ihre Mystiker immer verfolgt:
Thomas Müntzer (1490-1525) wurde von Martin Luther schwer bekämpft; Kaspar Schwenckfeld (1489-1561) wurde mit seinen Schwenckfeldianern als vom Teufel besessener Bösewicht verleumdet und verfolgt; Sebastian Franck (1499-1542) wurde als verpönter Außenseiter der Reformation von einem Ort zum anderen gejagt; Valentin Weigel (1533-1588) war ein beliebter Pfarrer, bis ihm die Konkordienformel den Mund verschloß, der Abschreiber seiner Schriften wurde amtsenthoben und die Weigelianer mit Schimpfnamen bekämpft; Johann Arndts (1555-1621) Buch wurde als "ein Buch der Hölle" bezeichnet; Jakob Böhme (1575-1624) erhielt Schreibverbot und wurde später verbannt; Angelus Silesius (1624-1677) mystischen Texten wurde die Druckerlaubnis verweigert, er trat zur katholischen Kirche über und veröffentlichte einige Jahre später den "Cherubinischen Wandersmann"; Johann Georg Gichtel (1624-1691) kam in Kerkerhaft und wurde verbannt, seine "Engelsbrüder" wurden abgelehnt; Quirinus Kuhlmann (1651-1689) wurde in Moskau vom lutherischen Pastor als religiöser Unruhestifter denunziert und darauf mit glühenden Zangen gefoltert und verbrannt; Georg Fox (1627-1691), der Begründer der Quäker, wurde verfolgt, eingesperrt und vom Pöbel mit Stöcken und Heugabeln überfallen; Gerhard Tersteegen (1698-1769) hatte oft bis zu 600 Zuhörer und erhielt von seinen eifersüchtigen Kollegen 10 Jahre Redeverbot (zitiert nach W. Nigg [33]).
Spätere Mystiker wurden nur noch verleumdet (Emanuel Swedenborg, Gabriele Wittek) oder am liebsten völlig ignoriert (Jacob Lorber, Blavatsky, Rudolf Steiner, Johannes Greber, sogar C.G. Jung).
Eine fruchtbare Auseinandersetzung mit Mystik heute ist nur denkbar, wenn die Kirche ihre unrühmliche Geschichte mit diesen protestantischen Mystikern aufarbeitet. Denn der Grund für die damaligen Verfolgungen ist nach wie vor die auch in der og. EZW-Schrift und in anderen Kritiken heute noch vorhandene Unwilligkeit der Kirche, sich auf die Inhalte mystisch-medialer Bild- und Wortoffenbarungen einzulassen.

Diese Unwilligkeit bzw. "unerträgliche Selbstsucht" (s.o. bei Stange) ist insofern traurig, als die pluralistische und sich ständig selbst kritisierende und erneuernde protestantische Kirche die einzige große Kirche sein könnte, die Wesen und Inhalt zeitgenössischer Offenbarungen in ihre Theologie mit aufnimmt. Nur sie könnte die Schwerpunkte und die Argumente der Vernunft im Sinne dieser Webseite überzeugend vermitteln, auch und gerade gegen den allgegenwärtigen Scientismus und den Fleckenteppich der Esoterik, und nur sie könnte das Verständnis der biblischen Botschaften durch die medial vermittelten Botschaften und durch die Christus- und Nahtoderfahrungen vertiefen und auf völlig neue Art lebendig machen. Nur sie könnte durch die Gesamtschau auf alle Offenbarungen überzeugend vor Engstirnigkeiten, falschen Propheten, falschen Christussen und religiösem Fundamentalismus warnen. Für die "Unterscheidung der Geister" ist Kirche nötig, allerdings nicht in der rein bibelorientierten und besserwisserischen Art der EZW.

Eine lebendige und offene Kirche der Zukunft und mit Zukunft ist ohne die inhaltliche Integration der parapsychologischen Phänomene der Neuzeit, des Erwachens und insbesondere des mystischen Weges der großen Christusoffenbarung an Gabriele Wittek undenkbar. Auch Karl Rahner hat dies klar erkannt: „Die neue Kirche wird mystische Kirche sein, oder sie wird nicht sein.“ Dabei geht es wesentlich um die Inhalte der mystisch-medialen Erfahrungen. Werden die nicht akzeptiert, dann hat Karl Rahner vergeblich gewarnt.

Was die Basis des heutigen Christentums, die "Heilige Schrift", an zu dieser Webseite passenden Informationen und Texten zu bieten hat, das verrät das Kapitel "Bibelzitate".

Die gesamte Webseite hier als Buch, Hinweise oder Kritik bitte hier.

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