Drewermann



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Der folgende Text kommentiert Zitate aus einem Interview und aus Drewermanns Buch über die Seele.
Drewermann hat seinen katholischen Glauben aufgegeben zugunsten eines kritiklosen Glaubens an die Allaussagen der Neurologie. Obwohl er Metaphysik kategorisch ablehnt, formuliert er seinen Glauben als poetisch-ästhetische Pseudometaphysik. Drewermann polarisiert und verwirrt zugleich ...


Eugen Drewermann meint: „Die Naturwissenschaften erklären die Fragen nach dem Warum im Sinne der Kausalursachen. Religion sollte herausfinden, was es bedeutet, dass wir Menschen sind.“
Dies ist die zentrale These Drewermanns - und der gesamten modernen Theologie.

Die folgenden Zitate und meine Kommentare zeigen, daß diese These bei Drewermann letztlich zu reinen Sprechblasen und zu absurden Konsequenzen führt. Die Zitate stammen i.w. aus einem Interview mit Drewermann aus der Zeitschrift "Zeitzeichen", sie sind kursiv gesetzt. Darauf folgen meine persönlichen Bemerkungen.

Noch eine Vorbemerkung:
Der Glaube an eine eigenständige und unsterbliche Seele ist uralt und hat viele Wurzeln. Der griechische Philosoph Plato hat diesen Glauben um 400 v.Chr. philosophisch gefaßt, übrigens ganz ähnlich, wie dies Immanuel Kant vor gut 200 Jahren ebenfalls wieder getan hat (s. Kant). Gedankliche Ordnung macht Dinge verständlich, ein Beweis ist so etwas natürlich nicht.

Nach Plato sind unsere Seelen lange vor unseren Körpern entstanden (die sog. Präexistenz der Seele, die allerdings von der Kirche abgelehnt, sogar verflucht wurde), der Leib ist nur das Fahrzeug für die Seele, und jede Seele ist Teil der ewigen Weltseele (christlich: Kind bzw. Ebenbild Gottes). Dem widersprach 50 Jahre später Aristoteles: Körper und Seele seien verschmolzen wie eine in Wachs eingedrückte Form. Drewermann geht davon aus, daß der traditionelle christliche Glaube an eine unsterbliche Seele allein auf dieser Metaphysik Platos beruhe und durch die moderne Naturwissenschaft, vor allem durch die Hirnforschung, als falsch erkannt sei. Seele müsse man deshalb ganz anders verstehen ...

EUGEN DREWERMANN: „... Was bleibt vom Menschen, wenn er verwest? Das Christentum hat diese Idee mit Bezug auf den griechischen Philosophen Platon entwickelt, der die Seele als geistige, unsterbliche Substanz verstanden hat.

Das ist historisch richtig. Es ist jedoch nur die halbe Wahrheit, denn die platonische Seelenphilosophie ist nicht Platons Erfindung, sondern sie wurde zu seiner und Jesu Zeit bis ins 4.te Jahrhundert von kräftigen Wurzeln genährt:
- Da war die uralte ägyptische, später koptische Tradition, die mit Ka und Ba eine überaus reale Seelenvorstellung pflegte. Inwieweit sie auf priesterlicher Selbsterfahrung beruhte, wie dies die Esoterik gerne annimmt, können wir nicht mehr feststellen. Tatsache ist: Die Vorstellung eines Seelenlebens nach dem Tod wurde als real empfunden, sogar realer als das Leben selbst. Dafür baute man die monströsen Grabanlagen.
- Dann gab es die hinduistische Tradition der Selbsterfahrung und der Wiedergeburt, die auch im vorderen Orient und besonders in Alexandria stark vertreten war (z.B. stammen 22 Gleichnisse Jesu nachweislich aus dieser Tradition). Die Wiedergeburt setzt eine eigenständige, substanzielle Seele voraus.
- Um 400 v.Chr. übersetzte Plato diese Vorstellungen in einen abwägenden philosophischen Diskurs. Dies war in der vorwissenschaftlichen Zeit die übliche Weise, etwas zu verstehen.
- 650 Jahre später nahm der starke und überzeugende Plotin diese Lehren auf, vielleicht hatte er sogar selbst mystische Erfahrungen.
Für die griechisch gebildeten Bischöfe der ersten Konzilien war Platos Diskurs überzeugender als die für sie suspekten Selbsterfahrungen der Erwachten, die altertümlichen Traditionen Ägyptens und der eigenwillige Plotin. Damit blieb nur noch ein angreifbarer philosophischer Diskurs als Basis für die Seelenvorstellung übrig. Heute hat die Erklärungsfunktion der Philosophie für Fakten und Phänomene die wissenschaftliche Analyse übernommen und Metaphysik spielt keine Rolle mehr.
Anstatt nun mit der Metaphysik auch die Seele fortzuwerfen, wie dies Drewermann und die protestantische Ganztodtheologie tun, wäre es ein Akt der Vernunft, sich wieder verstärkt den platonischen Wurzeln und speziell den mystisch-medialen Phänomenen unserer Zeit zuzuwenden. Die katholischen Theologen Don Bosco und Fridolin Stier zum Beispiel (s. hier) brauchten für ihre Gewissheit für die Existenz einer eigenständigen Seele den 'Beweis' Platos nicht.

Meine These ist: Die ursprünglichen Seelenvorstellungen beruhten auf mystisch-medialen Erfahrungen ähnlich den in dieser Webseite geschilderten. Dies wird besonders deutlich in der Erleuchtungsreligion des Hinduismus und Taoismus (s. Erwachte), aber auch in vielen Stellen des Alten Testaments (s. Bibelzitate). Nahtod- und Sterbeerfahrungen, Erleuchtungen und mediale Offenbarungen gibt es doch nicht erst heute! Diese Erfahrungen gehören in den Mittelpunkt jeder Untersuchung über das Wesen das Menschen, also auch ins Zentrum von Theologie und Naturwissenschaft.

E.D.: „In der katholischen Tradition spricht man der Seele vier Eigenschaften zu: Immaterialität, Unität, Substantialität und Personalität. Doch spätestens mit den Theorien von Charles Darwin um 1860 beginnt ein Erklärungskonzept zu greifen, das weder einen göttlichen Eingriff von außen zur Erklärung von Naturphänomenen gelten lässt noch auch eine geistige Einwirkung auf die Materie für nötig erklärt. Das Ergebnis ist die Überflüssigkeit des metaphysischen Seelenkonzepts. Das war ein Schock in der Denktradition, der vor allem bei den Leuten in den Kirchenbänken dazu führte und führt, an gar nichts mehr zu glauben. Denn wenn das, was bis dahin Seele hieß, aus neuronalen Prozessen im Gehirn erklärt werden kann, wird deutlich, dass es mit dem Verwesungsprozess des Körpers, des Gehirns, zugrunde gehen wird.“

D. vertritt hier die Behauptung des Frankfurter Manifests (s. "Hirnforschung"), daß alles Geistige, also auch mystisch-mediale Phänomene, durch neuronale Prozesse im Hirn vollständig erklärt werden könne. Wenn das so wäre, dann hätte die Seele wirklich ihre metaphysische, immaterielle Eigenschaft verloren. Sollte das Hirn bei mystisch-medialen Phänomenen aber nur beteiligt sein, anstatt sie vollständig zu produzieren, dann sehen die Konsequenzen radikal anders aus. Diese Gegenhypothese wird weder vom Frankfurter Manifest noch von Drewermann in Betracht gezogen.

E.D.: „In der katholischen Theologie ist die Lehre von der unsterblichen Seele dogmatisch nach wie vor ganz groß und eben so feierlich wie falsch. Noch 1996 - 140 Jahre nach Darwin - konnte Papst Johannes Paul II. im Vatikan verkünden, dass die Evolution zwar eine Denkmöglichkeit sei, aber dass die Seele sich nicht entwickelt habe, da sie von Gott sei. Konziser kann man so viel Falsches kaum zusammenfügen.“

Falsches? Die großspurigen Behauptungen der Neurowissenschaft tragen dieses Urteil jedenfalls nicht (s. Hirnforschung). Drewermann hält sie für absolut wahr und stellt sich damit auf die Seite der kritiklosen Wissenschaftsgläubigkeit.
D. hinterfragt auch nicht den ebenso häufigen wie falschen Gedanken, daß alles Unerklärbare gleich direkt "von Gott" sei. Auch Intelligent Design vertritt diese simple und falsche These. Denn hinter der materiellen Welt steht zunächst die immaterielle Welt, und so muß die Frage zunächst sein, wie diese beiden Welten, also z.B. die immaterielle Seele und der materielle Körper, zusammenwirken können (s. Quantenphysik). Vieles spricht dafür, daß die immaterielle Welt genauso aus energetischen Strukturen gebildet ist wie die Materielle, daß Gott der Schöpfer sowohl der materiellen wie der immateriellen Welt ist, und daß wir eines Tages die Physik immaterieller Energien ebenfalls kennen werden und damit mystisch-mediale Phänomene erklären können (s. Offenbarungen). Letzteres aber nur, wenn wir uns mit diesen Phänomenen gründlich beschäftigen. Neuland kann erst dann erkannt werden, wenn es betreten wird.

E.D.: „Es ist die große Schwäche der katholischen Theologie, dass der Glaube mit philosophischen Argumenten vernünftig geredet werden soll.“
Da hat Drewermann recht. Er redet seinen Glauben jedoch auch vernünftig, und zwar mit psychologischen und ästhetischen, also noch schwächeren Argumenten. Siehe weiter unten.

E.D.: „Die Naturwissenschaften erklären die Fragen nach dem Warum im Sinne der Kausalursachen. Da hat die Theologie nichts mehr verloren.“

Dies ist nun die zentrale These Drewermanns und der heutigen protestantischen Theologie.
Wären diese Erklärungen richtig und umfassend, dann hätte Drewermann recht. Das Kapitel Hirnforschung zeigt jedoch:
- Allaussagen werden als wissenschaftlich beweisbare Wahrheit verkündet (alle Mutationen haben materielle Kausalitäten, alle geistigen Funktion haben biologischen Ursprung, es gibt keinen Geist ohne Gehirn). Allaussagen sind jedoch Glaubensaussagen, sie gehören einer anderen Kategorie an als die zugrundeliegende wissenschaftliche Theorie. Ohne Allaussagen würde die Diskussion vollkommen anders verlaufen, viel ruhiger, offener und viel interessanter.
- Begrenzte Experimente werden weit überbewertet (Ramachandran setzt visionäre Einzelelemente mit dem komplexen Scenario einer vollständigen Vision gleich).
- Mit mystisch-medialen Phänomenen hat sich die Mainstreamwissenschaft allenfalls ganz am Rande in Einzelfällen befaßt.
- Trotzdem wird die neurologische Hypothese stets einseitig formuliert (das Hirn ist Produzent aller geistigen Leistungen) und vorschnell als 'bewiesen' bezeichnet. Die alternative Hypothese, daß das Gehirn in bestimmten Situationen auch ein Sender/Empfänger immaterieller Energien sein könnte, wird in Fachartikeln nicht diskutiert. Bewiesen ist eine Hypothese aber erst durch die Falsifikation ihrer Gegenhypothesen. Bis dahin ist alles Glaubenssache (s. Hirnforschung).

Die Fragen nach dem Warum aller geistigen Phänomene sind also noch weit entfernt davon, durch Kausalursachen geklärt zu sein. Drewermann (und ebenso große Teile der protestantischen Kirche) üben sich in vorauseilendem Gehorsam. Sie haben einen blinden Glauben durch einen anderen blinden Glauben ersetzt.

E.D.: „Religion ist nicht zur Erklärung dessen da, was die Naturwissenschaften ermitteln können, sondern Religion sollte herausfinden, was es bedeutet, dass wir Menschen sind.“

Das ist die grundsätzliche Haltung katholischer und protestantischer Theologie. Die Frage ist nur, was mit "Menschsein" gemeint ist: Mensch im Sinne des biologischen Materialismus? Oder vor dem Hintergrund mystisch-medialer Erfahrungen wie Offenbarungen, Nahtoderfahrungen, Sterbeerfahrungen ua.?
Was findet nun Drewermann heraus? Die Metaphysik einer absoluten, liebenden Person ... ]

E.D.: „Es geht bei der Rede von der Seele darum, dass wir als Person nur ermöglicht sind im Gegenüber einer absoluten Person, in ihrer Zugewandtheit, ihrer Liebe, die nicht will, dass wir im Tode verkommen. Das ist der Sinn des christlichen Glaubens. Glauben bedeute, sich mit der ganzen Existenz in die Hand Gottes zu geben. Der Mensch brauche kein inneres Prinzip, das göttlich genannt werde, im griechischen Sinne für sich zu reklamieren. Es biete sich darum an, anstelle von Seele von Person zu reden. Das ist ein Sprachgebrauch, der wirklich theologische Dimensionen erreicht. Es geht nicht um einen göttlichen Kern, es geht um den ganzen Menschen vor dem Angesicht Gottes.“

Da wäre nun vieles zu erfragen, z.B.
- Was heißt 'im Tode nicht verkommen'? Wer ist "wir"? Die Problematik dieses Satzes ist das Kernproblem der Theologie. Zu welchen Absurditäten diese so scheinbar schlichte Hoffnung bei weiterem Nachdenken führt, zeigt der Aufsatz von Henning. Das überzeugt so wenig, daß man schon allein deswegen lieber beim alten Seelenglauben bleiben sollte.
- Auf was gründet sich dieser Glaube? Gründe führt Drewermann nicht an.
- Ist dieser Gott eine erfahrbare Wirklichkeit?
- Wenn nein, welchen Sinn hat dann das Reden über ihn, außer Trost und Autosuggestion?
- Wenn ja, hat die erfahrbare Wirklichkeit transzendente oder immanente Ursachen?
Transzendenz schließt Drewermann aus.
Damit bleibt Gott für Drewermann eine Kreation unseres Hirns, eine immanente Schimäre, die nach dem Neurologen Ramachandran (an den Drewermann glaubt) von der Amygdala halluziniert wird.
Auch wenn der Glaubensgrund ein Faktum ist (z.B. Jesus), dann sind nach Drewermanns Überzeugung aber alle Fakten materiell und somit letztlich bedeutungslos – es sei denn, wir würden ihnen durch Emotionen, durch philosophisch-spekulative Überlegungen oder einen wilden Glaubsakt Bedeutung zueignen. Drewermanns Ausdruck „vor dem Angesicht Gottes“ ist Drewermanns Metaphysik, sei sie konstruiert oder wild geglaubt. Drewermann widerspricht sich selbst, weil er ja Metaphysik ablehnt.

Drewermanns Glaube ist im Sinne des Philosophen Safranski nur ein literarisch-ästhetisches Konstrukt, eine Reihe schöner Sprechblasen ...
E.D.: „... als ein mythisches Bild halte ich den Begriff Seele für unverzichtbar. Es liegt in ihm eine lang noch nicht ausgeschöpfte Quelle von Poesie. Die Seele ist ein Medium der Begegnung, der Schönheit, der Ergriffenheit, der Zugewandtheit. Sozusagen das Signum für einen Austauschvorgang in Zärtlichkeit und Liebe. Sieht man, berührt man die Seele eines Menschen, möchte man sein Geheimnis zwar erfahren, berühren, streicheln. Aber man weiß zugleich, dass man es nie begreifen und schon gar nicht ergreifen kann. Dass da ein Heiligtumsraum ist. Etwas, das geschützt sein will. Eine Sphäre des Göttlichen. Das alles schwingt in dem Begriff Seele mit.“

Ach Drewermann! Ich höre ihm so gerne zu. Aber ist das Glaube? Religion?
Drewermanns Seele ist das, was der Evang. Erwachsenenkatechismus "ein tiefes Gefühl" nennt. Wir tun gut daran, diesen "Heiligtumsraum", dieses "tiefe Gefühl" zu schützen, ebenso wie wir die Natur pflegen und schützen sollten. Daß uns dies so schlecht gelingt, hat jedoch Gründe, und der wichtigste Grund ist der, daß wir vergessen haben, wer wir eigentlich sind (s. die Beispiele, insbesondere "4.6 Walsch", im Kap. Offenbarungen).

Die heutige Wissenschaft, Theologie und Psychologie, auch Drewermann, betrachten den normalen Alltagsmenschen und meinen, das Wesen des Menschen durch diese Normalitätsbetrachtung zu verstehen.
Als Normalmenschen sind wir aber das Tier Homo Sapiens. Welche biologischen Leistungen möglich sind, zeigen schon die Raben mit ihrem Winziggehirn.
Andererseits wissen wir aus Quantenphysik, Astrophysik, Mathematik ua., daß man an die Grenzen gehen muß, weil das Wesen mancher Dinge nur von ihren extremen Eigenschaften her verständlich ist. Auch C.G. Jung ist so vorgegangen.
So gesehen ist es einfach eine Tatsache, ein Faktum, daß wir noch andere Fähigkeiten haben, die sich im Normalfall nur indirekt zeigen, ua. vielleicht im obigen Sinne Drewermanns, die sich jedoch in besonderen Situationen in manchen ansonsten völlig gesunden und normalen Menschen in mystisch-medialen Erfahrungen bzw. Phänomen zeigen (s. Offenbarungen). Wie kann man über das Wesen des Menschen grundlegende Aussagen machen, ohne sich mit diesen Phänomenen gründlich zu beschäftigen?

E.D.: „Nehmen Sie die Visionen: Neurologisch weiß man, dass Temporallappen-Epilepsien zu Visionen führen können.“

D. übertreibt noch mehr als der Neurologe Ramachandran selbst.
Was man neurologisch wirklich weiß, ist nur, daß der Temporallappen bei Visionen beteiligt sein und gewisse Bilder und Zustände von Klarheit produzieren kann. Die Beteiligung des Hirns an der Visualisierung mystischen Erlebens steht aber seit jeher außer Frage. Welche außerhirnlichen, immateriellen und wesentlich entscheidenden Faktoren bei der scenischen Gestaltung von Visionen beteiligt sein könnten, davon weiß die Hirnforschung noch garnichts - und will auch nichts davon wissen (s. Hirnforschung). Interessante Erklärungen findet man dagegen bei Greber im Kapitel 2.0.
Im übrigen sehen der Parapsychologieforscher Dr. v. Lucadou, Freiburg, und das Epilepsiezentrum Bethel Epilepsien in entscheidendem Maße differenzierter (s. Paulus).

E.D.: „Die Interpretation einer bestimmten Vision oder Audition oder Halluzination ist gebunden an den Kulturraum, in dem festgelegt wird, was eine Vision bedeutet. Es ist unmöglich, dass die Mutter Gottes, der Engel Michael oder wer immer als solcher vom Himmel kommt. Jemand hat eine Vision und interpretiert sie nach den Maßgaben der eigenen Kultur.“

Das ist ein Allgemeinplatz: Wer als Nikolaus Eindruck machen möchte, kleidet sich entsprechend. Die immaterielle Energie des Christus kann sich dem Paulus als Jesusbild zeigen, in Tibet vielleicht als Buddha und in Indien als lichtvolle Fülle. Jedenfalls kommt es auf die mit dieser immateriellen Energie verbundenen transzendenten Erfahrung an (Beispiel Paulus). Aber Drewermann leugnet Transzendenz und glaubt stattdessen an scientistische Behauptungen (s. oben).

E.D.: „... Es gibt unsachgemäße, ja, verlogene Verkürzungen, etwa in so mancher Beerdigungspredigt: "Gott hat das Leben zu sich genommen" ist so ein Satz. Dabei sind die Dinge viel komplexer und komplizierter. Ich bin sehr stark beeinflusst durch Autoren wie Blaise Pascal. Der hatte für unsere Frage "Was wird im Tod aus uns?" nichts weiter als eine Wette auf die Unsterblichkeit. Und das ist wunderbar, weil es ehrlich war. Mir liegt daran, die Hoffnung nicht aufzugeben, die Dostojewski am Ende der "Brüder Karamasow" ausspricht: "Wir werden uns wieder sehen." Aber ich glaube, dass "Ehrlichkeit" bedeutet, einzugestehen, dass jenseits des Todes alle Beweisbarkeiten aufhören.“

Ehrlichkeit in Ehren, aber was in uns könnte denn unsterblich sein? Nach Drewermanns Neurologieglauben eigentlich nichts. Drewermann widerspricht sich.
Daß "Gott ein Leben zu sich nimmt" ist i.a. auch meiner Meinung nach "unsachgemäß und verlogen". Meistens läßt Gott, davon bin ich überzeugt, seine Naturgesetze walten. Und eine Ausnahme können wir kaum als solche erkennen. Auch geht die Seele nicht zu Gott, wie man gemeinhin sagt und glaubt, sondern sie geht erst in eine ihr gemäße jenseitige Sphäre (s. hier). Insofern sind die Dinge wirklich "komplexer und komplizierter". Wie allerdings Drewermann das alles so kompetent sagen kann, wenn er im letzten Satz andeutet, daß er eigentlich nichts weiß, bleibt sein Geheimnis. Drewermann widerspricht sich auch hier.

Natürlich kann man im Sinne Pascals oder Dostojewskis auch ohne kritische Fragen in Ruhe und Frieden sterben. Aber dann darf Drewermann nicht wie oben über richtig und falsch der katholischen Vorstellung urteilen. Er kann ihre metaphysische Begründung ablehnen, das ja. Aber eigentlich müßte er zugleich sagen: Ich glaube trotzdem dran. Wie Augustin: Credo quia absurdum. Statt dessen macht Drewermann wieder eine Wahrheitsaussage: ...

E.D.: „... dass wir kein Recht haben, von einem Seelenprinzip zu sprechen, das im platonischen Sinne in den Körper eingekerkert sei, um ihn dann zu verlassen. Das ist eine Philosophie, die wir so nicht mehr halten können.“

Ja, philosphische Begründung geht nicht mehr. Aber ob das nur eine Philosophie ist, wie Drewermann behauptet, das ist die entscheidende Frage, die diese Webseite durch viele Verweise auf überzeugende Erfahrungen klären möchte.
D. möchte wissenschaftlich-vernünftig argumentieren und zugleich blind an ein Weiterleben glauben. Das ist schizophren.

E.D.: „Die Existenz eines personalen Gottes ist, wie wir sahen, aus der Schöpfung kausal nicht beweisbar ... daß auf Grund bestimmter Phänomene, zum Beispiel der sogenannten Nahtod-Erfahrungen, Gott existieren müsse ...“

Hier bezieht sich Drewermann wieder auf die kindliche Vorstellung, daß hinter der materiellen Welt gleich der personale Gott käme. Davon sprechen die Nahtoderfahrungen gerade nicht. Dort geht es zunächst um die direkte Erfahrung eines körperlosen Bewusstseins, um das Erleben einer als immateriell empfundenen Welt und um Begegnungen mit anderen Geistwesen. Das Wesentliche ist die Antwort auf die Frage „Wer bin ich?“: ein immaterielles, unsterbliches Geistwesen. Gott wird, wenn überhaupt, nur sehr indirekt, z.B. als ein „unendliches Wohlwollen“, erfahren. Drewermann differenziert viel zu wenig.

D. spricht auch in mittelalterlichem Sinn von 'nicht beweisbar' (viele tun dies heute noch), wobei es auch hier auf eine differenzierte Betrachtung ankäme. Schon Karl Popper ersetzte den Begriff Beweis durch 'Falsifizierung einer Gegenhypothese'. Nahtoderfahrungen oder die Offenbarungen an J. Greber oder über G. Wittek (s. Offenbarungen) sind keine Beweise, sondern sie sind zunächst und allererst ein Stück Wirklichkeit, die sich ja nicht selbst zu beweisen braucht.

E.D.: „Umso wichtiger aber bleibt für die individual-psychische Deutungsebene einer Erscheinung die Feststellung der Neurotheologie, daß alle Visionen, Auditionen etc. als nichts anderes verstanden werden können denn als Produktionen des Gehirns - durchaus nicht Wirkungen von etwas objektiv Seiendem.“

'alle Visionen', 'nichts anderes als', 'durchaus nicht' sind unwissenschaftliche Allaussagen. 'Die Neurotheologie' - das hat für Drewermann ein Gewicht wie ehemals eine ex-cathedra-Aussage des Papstes. Dabei sind das nur zwei bescheidene Experimente, und die haben mit Theologie aber auch garnichts zu tun. Nur wenige Neurologen versteigen sich so wie Drewermann. Wie kümmerlich die Beweislage für Drewermanns Behauptungen ist, zeigt das Kapitel Hirnforschung.
Drewermann ist ein tief gläubiger Mensch, glauben an sich ist seine Grundhaltung, der Katholizismus hat ihn tief enttäuscht, nun ist er zum Scientismus gewechselt und glaubt kritiklos an die Dogmen der Neurotheologie.

E.D.: „Nun stellt sich uns die Aufgabe, wie die Grunderfahrung des Religiösen sich zurückgewinnen lasse, um Gott endlich und erneut als die Macht wiederzuentdecken, die Freiheit allererst ermöglicht. Daß gerade die Texte (in der Bibel ebenso wie) im Koran so und nicht anders zu lesen sind, zeigt sich am Beispiel der Sure XVI 94, die unmittelbar nach der Betonung der absoluten Macht Gottes, ohne darin einen Widerspruch zu erblicken, fortfährt: ihr Menschen werdet einst Rechenschaft geben müssen über das, was ihr getan. Gott kennt und umfängt den Menschen ganz, und dieser gewinnt gerade dadurch die Kraft zu seinem eigenen Dasein.“

Dem letzten Satz kann ich schon zustimmen.
Aber was meint Drewermann mit 'Gott', 'Kraft', 'umfangen', 'Grunderfahrung des Religiösen'? Einen Mythos? (den lehnt er ab), Metaphysik? (lehnt er auch ab), eine transzendente Kraft? (ebenfalls). Bleibt noch eine immanente Kraft, tiefenpsychologisch erfaßbar, eine Theologie des Zuspruchs (so was gibt es), eine therapeutisch suggestive Kraft. Man spricht von Gott, meint aber theologisch nur eine (auto)suggestiv wirkende Schimäre. Das kann funktionieren, ist aber zynische Pseudotheologie für ungebildete und hilflose Gläubige.

Echt und tief empfundene Religion findet heute anderswo statt: in der esoterisch-spirituellen Szene. Sie nimmt religiös-parapsychologische Phänomene (leider auch oft unkritisch) ernst und richtet ihr tagtägliches Leben danach aus. Hier wächst eine selbstverantwortliche Religiösität ohne akademische Theologie, ohne Predigten, ohne Liturgien, ohne Dogmen, ohne Organisation und ohne Mitgliedschaften. Dafür mit Bezug auf lebendig empfundene Offenbarungen und auf transzendent und überzeugend begründete Erfahrungen.

Weitergehende kritische Ausführungen zu Drewermanns recht merkwürdiger 'Theologie' zeigt der Aufsatz von E. Stein Der Schatten des Eugen Drewermann.

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